
Reingespielt
Karma: The Dark World
In einem Ostdeutschland-Verschnitt werden wir 1984 in ein grusliges Institut geschickt, um einen Diebstahl aufzuklären. Dabei ist nicht alles so, wie es scheint. Vor allem die Erwartung, einen Spielstand tatsächlich zu behalten.
In Karma: The Dark World schlüpfen wir in die Rolle von Daniel McGovern, der in Ostdeutschland einen Mordfall in einem Institut aufklären muss. Wobei Ostdeutschland nicht das meint, was ihr denkt. Der Handlungszeitpunkt ist eine eindeutige Anspielung an George Orwells Klassiker 1984. Statt der SED ist die autoritäre Kraft dieses Staates die Leviathan Corporation – ein Zusammenschluss sowjetischer Wissenschaftler:innen und obskurer KI-Technologie, die mit eiserner Hand über das Land herrscht.

Dreh- und Angelpunkt des Spiels sind die Erinnerungen anderer Menschen. Ziel der Leviathan Corporation ist nämlich, Fortschritt nur zu ermöglichen, indem man die Erinnerungen anderer Leute ändert oder sogar löscht. Dafür extra gegründet: das Thought Bureau, zu deutsch Gedankenbüro, in dem auch unser Protagonist Daniel McGovern arbeitet. Er soll einen Diebstahl aufklären, aber natürlich dient das nur als Aufhänger. Warum er das tut und ob der Job wirklich so eine kluge Entscheidung war, finden wir hoffentlich im Laufe der Geschichte raus.
Debüt-Titel aus China
Karma: The Dark World ist das Erstlingswerk vom Shanghaier Entwickler Pollard Studio. Das 19-köpfige Team spricht in ihrer Pressemitteilung davon, dass ihre Videospiele die Grenzen des Mediums austesten sollen. “Spieler:innen sollen mithilfe der Games ihre Verhaltensweisen im echten Leben hinterfragen und die tiefe Bedeutung und den Einfluss einer jeden Handlung hinterfragen”. Joa – klingt für mich eher nach Marketing. In meinem Kopf blieben vor allem die Bilder und weniger die Handlung. Festzuhalten ist aber, dass man dem Titel nicht anmerkt, dass es der erste des Studios ist.
Atmosphärisch wie ein Lynch-Film
Direkt abgeholt hat mich die Atmosphäre. Und das ist mir wichtig bei Horrorspielen: damit ich mich durch die Stunden voller Jumpscares, Unwohlsein und brutalen Animationen kämpfe, muss mich die Welt schon abholen. Ein anderer Titel, der das fantastisch macht: Alien Isolation. Das sticht durch seinen eigenen Stil bis heute heraus. “Aged like a fine wine” beschreibt diesen Effekt am treffendsten.

Karma: The Dark World schafft genau das auch. Sein Stil ist zeitlos, ich kann mir gut vorstellen, dass es in 5 Jahren noch ähnlich gut aussehen wird wie dann neue Titel. Denn gerade aus dem Gegenstück von normaler Arbeitskulisse und Menschen, die statt Köpfen Fernseher tragen, entsteht ein eigenständiger Stil.
Why is everything so surreal?
Ja, es ist nur ein kleiner Teil, aber dass der Hauptcharakter in den ersten Spielminuten fragt “Why is everything so surreal?” fühlt sich so an, als würde mich das Spiel für dumm verkaufen wollen. Schließlich will ich ja einen surrealen Horror-Thriller und keinen B-Trashmovie, bei dem mir die ganzen Fragen direkt vorformuliert werden. Aber es gibt Grund zum Aufatmen: das restliche Voice Acting und die Dialoge sind allesamt sehr gut. Gleiches gilt für den Sound und die Grafik.

Ein kurzes Vergnügen
Und an der Stelle hört meine Reise mit Karma: The Dark World leider auf. Zweimal wurde mein Spielstand gelöscht – ich habe mich durch diverse Foren geklickt, sogar einen Lichtblick gehabt, aber dann ging es nicht mehr weiter. Ein richtiger Test ist für mich so leider nicht möglich.
Für mich ist…
Karma: The Dark World ein Titel, der Lust auf mehr macht. Die mysteriösen Vorgänge im Institut aufzuklären, die schön designte Innenarchitektur – all das packt mich. An alle Nicht-Horrorfans: gerade das Art Design lohnt für ein kurzes Reingucken. Gebt dem Spiel seine erste Stunde Zeit – denn die Welt packt einen auf jeden Fall. Und wenn ich zwischen all der Arbeitszeit mal einen freien Moment finde, dann geht es für mich auch zurück in die Welt von Karma: The Dark World. Auf einen dritten Spielstandversuch!
Karma: The Dark World ist ein Horrortitel von Pollard Studio. Das Spiel ist für PC und PS5 erhältlich. Eine Demo steht auf beiden Plattformen zur Verfügung.